1938 – 2018: 80 Jahre – ein lange Zeit. Was verbindet diese beiden Jahre miteinander?

1938 wanderte Heinrich Reichmannsdorfer, 26 Jahre alt, Viehhändler aus Trabelsdorf, nach Amerika aus. 80 Jahre später steht sein Sohn Eric Richman vor dem Haus seiner Großeltern Gustav und Amalie Reichmannsdorfer. Anlass dafür ist die Verlegung von Stolpersteinen zum Gedenken an seine Großeltern, seine Tante und seinen Vater.

Die Familie Richman interessierte sich schon seit Jahren für ihre deutschen Wurzeln. Anstoß zu der Reise von Eric Richman und seiner Frau Sandy gab der Kontakt, den das P-Seminar Die jüdischen Gemeinden Trabelsdorf und Lisberg zu den Nachfahren der Familie Reichmannsdorfer, die sich in den USA in Richman umbenannte, herstellen konnte.

Am Vormittag des 25.9.2018 besuchte das Ehepaar Richman das Kaiser-Heinrich-Gymnasium. Eric Richman berichtete den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern sowie ihrer Lehrerin Frau Dr. Horn von dem Leben und den Erinnerungen seines Vaters. Zudem hatte er viele wichtige Informationen aufgeschrieben und übergab diese zusammen mit anderen persönlichen Dokumenten dem Kurs. Anschließend zeigten die Schülerinnen und Schüler dem Ehepaar Bamberg, wobei der Schwerpunkt auf den Spuren des jüdischen Lebens in dieser Stadt lag. Vor dem Haus Austraße 23 erhielt Herr Richman auch Informationen zu Isidor Reichmannsdorfer, dem Bruder seines Großvaters, der 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet wurde.

Am Nachmittag fand die Stolpersteinverlegung in Trabelsdorf vor dem Haus Bamberger Straße 14 statt. Musikalisch wurde die Zeremonie eingeleitet von dem Streichquartett des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums. Anschließend begrüßte der 1. Bürgermeister der Gemeinde Lisberg, Herr Bergrab, alle Anwesenden, besonders aber das Ehepaar Richman. Herr Bergrab betonte, wie wichtig es sei, die Erinnerung an die jüdischen Nachbarn aufrecht zu erhalten. Das Unrecht, das sie erleiden mussten, sollte stets Warnung und Mahnung für die jüngere Generation sein. Herr Richman bedankte sich bei allen, die gekommen waren, um an seine Großeltern, seine Tante und seinen Vater zu erinnern. Es sei für ihn sehr wichtig, an dem Ort zu sein, der für seine Familie einmal Heimat war. Nach einem kurzen Gebet streuten alle Anwesenden als Zeichen ihrer Verbundenheit mit der Familie Reichmannsdorfer Blumen auf die in das Pflaster eingelassenen Stolpersteine. Frauke Hansen las zum Schluss der Gedenkfeier die Namen aller Opfer der jüdischen Gemeinden Trabelsdorf und Lisberg vor, damit auch diese nicht vergessen würden.

Im Anschluss an die Gedenkfeier lud Herr Bergrab alle Anwesenden in die Alte Schule ein, um dort im Gespräch Erinnerungen auszutauschen oder mit den Gästen aus Amerika ins Gespräch zu kommen. Viele nutzten diese Gelegenheit und Herr Richman konnte wichtige Informationen über seine Großeltern erfahren. Als Dolmetscher standen die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung.

Trotz des traurigen Anlasses waren dieser Besuch und die persönlichen Begegnungen ein Beweis für die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Das Geschehene können wir zwar nicht mehr ändern, aber wir können die Zukunft gemeinsam verantwortlich gestalten.

Dr. Christa Horn