Wie sah das Leben von Juden in großen Städten aus? Wie unterschied es sich vom Alltagsleben der jüdischen Gemeinden auf den Dörfern? Was prägte das tagtägliche Leben der jüdischen Bürger?

Diese Fragen wurden auf der Exkursion des P-Seminars „Die jüdischen Gemeinden in Trabelsdorf und Lisberg“ beantwortet, die am 24.4.2018 die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Lehrkraft Frau Dr. Horn und den Studenten Herrn Reukauf nach Nürnberg und Schnaittach führte.

Zunächst wurden wir durch Nürnberg geführt, wo wir uns mit der Situation der Juden im Mittelalter auseinandersetzten. An der Sebalduskirche konnten wir Darstellungen von Juden erkennen und auch eine sogenannte „Judensau“ war an der Fassade zu sehen. Hier zeigte sich klar die Schmähung und Ausgrenzung dieser Bevölkerungsgruppe, die am Hauptmarkt in einem Ghetto lebte, das 1349 durch ein Pogrom zerstört wurde. An dieser Stelle steht heute die Frauenkirche. Der Weg führte uns dann zum Standort der ehemaligen Hauptsynagoge am heutigen Hans-Sachs-Platz. Das Denkmal für den jüdischen Schuhfabrikanten Leo Katzenberger zeigte deutlich, wie ein unschuldiger Mensch denunziert und in einem Schauprozess zum Tode verurteilt wurde, nur weil er Jude war. An der Straße der Menschenrechte endete der Rundgang – ein Blick auf die heutige Situation: kein Mensch darf u.a. aufgrund seiner religiösen Überzeugung diskriminiert oder ausgegrenzt werden (GG, Art. 1,1).

Anschließend fuhren wir nach Schnaittach, um uns dort im jüdischen Museum über das Alltagsleben einer jüdischen Landgemeinde zu informieren. Im Mittelpunkt stand die Synagoge, die 1570 erbaut worden war, die Mikwe (das rituelle Reinigungsbad) und Biographien jüdischer Bürger in der kleinen Marktgemeinde. Nach dem Rundgang in dem kleinen, aber feinen Museum besuchten wir die drei Friedhöfe in Schnaittach. Hier lernten wir wichtige Bestattungsriten kennen.

Insgesamt war es ein Tag voller neuer Eindrücke, die sicherlich auch bei der Arbeit an dem Gedenkbuch für die jüdischen Gemeinden Trabelsdorf und Lisberg von großer Hilfe sein werden.

Dr. Christa Horn