Der 9.11. – ein schicksalhafter Tag der deutschen Geschichte. 1918 dankte Kaiser Wilhelm II ab und die Weimarer Republik wurde ausgerufen. Fünf Jahre später wollte Hitler von München aus nach Berlin marschieren und die Regierung stürzen. Das Vorhaben scheiterte an der Gegenwehr der Bayerischen Polizei vor der Feldherrenhalle. 1938 nutzten die Nationalsozialisten das Attentat eines jungen jüdischen Mannes auf einen deutschen Botschaftsangehörigen in Paris, um gegen die jüdischen Bürger physisch und psychisch vorzugehen. Synagogen wurden angezündet, die heiligen Schriften auf die Straße geworfen, jüdische Männer wurden in KZ eingeliefert. 1939 setzte im Hofbräukeller Georg Elser mit seinem Attentat auf Hitler ein Zeichen, dass nicht alle Deutschen mit dem NS-Regime einverstanden waren. Auch wenn am 9.11. 1989 die Berliner Mauer fiel und dieser Tag ein Tag der Freude wurde, so darf die Reichspogromnacht niemals vergessen werden. Aus diesem Grund wurde der 9.11. nicht zum deutschen Nationalfeiertag erklärt.

Den Ereignissen und Opfern widmete sich der Vortrag, den Frau Dr. Horn im Pfarrsaal der Kirchengemeinde Priesendorf mit tatkräftiger Unterstützung des P-Seminars „Die jüdischen Gemeinden Trabelsdorf und Lisberg“ vor ca. 40 interessierten Personen hielt. Ausgehend von den Ereignissen in Paris schlug sie den Bogen zu den Geschehnissen in Bamberg, wo die Synagoge in Brand gesetzt wurde. Am Beispiel Willy Lessings wurde deutlich, wie brutal die SA-Schläger vorgingen. Anschließend erläuterte Frau Dr. Horn die Vorfälle in Trabelsdorf. Zwar wurde die Synagoge nicht zerstört, aber die Inneneinrichtung demoliert und auf die Straße geworfen. Die SA-Männer, die eigens aus Bamberg in das kleine Dorf gekommen waren, misshandelten zwei jüdische Männer. Alle männlichen Juden über 18 Jahren wurden verhaftet, wobei Henry Löwi ca. 6 Wochen im KZ Dachau verbringen musste. Dass ein „normales“ Leben für Juden in Deutschland nicht mehr möglich sein würde, hatten die Ereignisse in der Reichspogromnacht deutlich gezeigt. Wer konnte, versuchte auszuwandern. Aber für viele war es schon zu spät. Am 22.3.1942 wurden die fast alle Trabelsdorfer Juden nach Izbica deportiert, wo sich ihre Spur verliert.

Nach dem Vortrag eröffneten die Ministranten der Pfarrei Priesendorf ihre Ausstellung, die sich mit dem Leben und Wirken der zum Christentum konvertierten Jüdin Luise Löwenfels auseinandersetzt. Dabei stellten sich die Jugendlichen die Frage, was sie aus diesem ungewöhnlichen Leben für ihr Leben lernen können. Auch Luise Löwenfels fiel dem NS-Rassenwahn zum Opfer: sie wurde 1942 in Auschwitz ermordet. Aktuell läuft der Seligsprechungsprozess für sie.

Dr. Christa Horn