„Liffgens, Siegfried, Viehhändler, Tel. 10, Haus Nr. 8“ – diese Informationen konnte man 1935 im Bezirksadressbuch für den Ort Trabelsdorf lesen. Siegfried Liffgens war ein angesehener jüdischer Bürger, dessen Familie mütterlicherseits seit mindestens 1846 in Trabelsdorf ansässig war. Heute erinnern sich nur noch die alten Trabelsdorfer an diese Familie, die im Haus Bamberger Straße 8 lebte.

Fünf Stolpersteine zeigen nun seit dem 18.10.2017, dass das glückliche Familienleben durch die nationalsozialistische Rassenideologie grausam vernichtet wurde. Der 16-Jährigen Tochter Hildegard gelang es 1939, durch einen Kindertransport nach Großbritannien zu entkommen. 1946 emigrierte sie in die USA, wo sie 2012 starb. Ihre Eltern und ihre beiden Brüder wurden zusammen mit fast allen anderen Trabelsdorfer Juden am 22.3.1942 nach Izbica deportiert. Der Bruder Lothar wurde noch im Ghetto ermordet; über die näheren Umstände des Todes der Eltern und Joachims  ist nichts bekannt.

Der Künstler Gunter Demnig selbst verlegte die Steine vor dem Wohnhaus der Familie Liffgens. Zahlreiche Trabelsdorfer und auch alle Schülerinnen und Schüler des P-Seminars „Die jüdischen Gemeinden Trabelsdorf und Lisberg“ des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums nahmen an dieser Veranstaltung teil. Zu Beginn spielte Benedikt Kestler auf seinem Saxophon eine kleine Klezmermelodie. Nachdem die Steine mit den Namen der Familienangehörigen in den Gehweg gelegt worden waren, gingen die Jugendlichen kurz auf die einzelnen Personen ein. Eindrucksvoll würdigte Herr Hackeneis seinen Freund Joachim Liffgens und er betonte, wie wichtig es sei, sich zu erinnern. Auch die Familie Liffgens kam zu Wort. Ein Großneffe von Siegfried Liffgens sandte einen Brief aus den USA, in dem er sich bedankte, dass die Erinnerung an seine Familienangehörigen vor Ort wach gehalten wird. Frau Dr. Friedrich von der katholischen Pfarrgemeinde Priesendorf sprach anschließend ein kurzes Gebet und lud alle Anwesenden ein, die Toten durch eine kleine Blumengabe zu ehren. Nicht vergessen werden sollten auch die anderen Trabelsdorfer Juden, für die noch kein Stolperstein verlegt wurde. Ihre Namen las Frauke Hansen vor. Nach einer Schweigeminute bedankte sich der Erste Bürgermeister der Gemeinde Lisberg bei allen, die diese Veranstaltung gestaltet und bei denen, die an ihr teilgenommen hatten.

Die Stolpersteine bringen als sichtbare Zeichen die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger wieder in das Dorf zurück, wo sie als Freunde und Nachbarn zuhause waren – und es jetzt wieder sind.

Dr. Christa Horn